
Bioidente Hormone werden auch als körpereigene Hormone bezeichnet, da ihre chemische Struktur exakt die gleiche Molekülstruktur aufweist wie unsere körpereigenen Hormone, z.B. Estradiol (2), Estron (E3), Progesteron(P). Sie werden aus den pflanzlichen Vorstufen Diosgenin aus der Yamswurzel sowie Stigmasterin aus Soja schrittweise in die Hormone Estradiol, Estriol und Progesteron umgewandelt. Da die chemische Struktur ident mit den vom Körper selbst hergestellten Hormonen ist, können sie auch am gleichen Rezeptor andocken und dort ihre idente Wirkung entfalten. Bioidente Hormone gelten daher als besonders nebenwirkungsarm. Die Anwendung der bioidenten Hormontherapie erfolgt primär im Zeitfenster der Wechseljahre, um typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder starke Stimmungsschwankungen zu verbessern.
Bioidente Hormone können sowohl transdermal über die Haut appliziert werden als auch oral in Form von Tabletten. Die transdermale Applikation von Estradiol hat den Vorteil, dass ein niedrigeres Thromboserisiko belegt ist als bei der oralen Einnahme. Bei der transdermalen Anwendung wird das Estradiol über die Haut aufgenommen und im Folgenden kontinuierlich in den systemischen Blutkreislauf abgegeben. Der First-Pass-Effekt über die Leber findet bei der transdermalen Applikation nicht statt. Zu beachten ist hierbei, dass eine Kontamination von Ehepartner, Kindern, Enkeln, Haustieren oder auch Gegenständen (z.B. Tisch, Schreibtisch) vermieden werden soll, indem nach dem Auftragen des Gels oder der Creme lange Kleidung über dem Bereich getragen wird. Die Resorption der Hormone über die Haut erfolgt besonders in den ersten 15 bis 60 Minuten, anschließend wird nur noch ein geringer Teil resorbiert und die Hormoncreme kann mit Seife abgewaschen werden. Direkt nach dem Auftragen sollten die Hände mit Seife gewaschen werden.
Für die vaginale Anwendung in Form von Ovula wird überwiegend das bioidente Estriol (ein schwaches Estrogen) verwendet, welches sich durch die lokale Verfügbarkeit im Urogenitalbereich auszeichnet und zu einer guten Regeneration der Schleimhäute von Vagina und Harnwegen führt wodurch die Elastizität der Schleimhäute wieder deutlich verbessert wird.
Bioidentes Estradiol in Tablettenform durchläuft primär die Verstoffwechselung über die Leber, wo ein Großteil des Estradiols zu verschiedenen anderen Stoffen umgewandelt beziehungsweise abgebaut wird. Durch diese zusätzliche Leberbelastung, den sogenannten First-Pass-Effekt, wird die Leber zusätzlich belastet. Eine darauf basierende unerwünschte Wirkung ist zum Beispiel ein erhöhtes Thromboserisiko aufgrund einer vermehrten Bildung von Gerinnungsfaktoren.
Bioidentes Progesteron ist nur zur oralen und vaginalen Anwendung in Form von Weichkapseln zugelassen. Für die transdermale Anwendung von Progesteron werden nach heutiger Erkenntnis keine ausreichend hohen Wirkspiegel erreicht um die Gebärmutterschleimhaut von einer übermäßigen Proliferation zu schützen. Eine übermäßige Proliferation der Gebärmutterschleimhaut ist mit einem erhöhten Risko für Gebärmutterkörperkrebs (Corpus Carcinom) assoziiert. Es ist daher zwingend erforderlich bei noch vorhandener Gebärmutter eine bioidente Hormontherapie sowohl mit Estrogen als auch dem „Gegenspieler“ Progesteron durchzuführen und über dies Notwendigkeit die Patientin auch genau aufzuklären. Ist die Gebärmutter schon entfernt worden, ist eine alleinige Estrogen-Substitution möglich.
Die Wirksamkeit für zugelassene bioidentische Präparate ist in Studien belegt.
Unter einer bioidenten Hormontherapie sollten jedoch unbedingt regelmäßige, jährliche Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt durchgeführt werden, wo die aktuelle Therapie überprüft und gegebenenfalls angepasst wird. Auch die Brustvorsorge mit Mammographie und Ultraschalls im Rahmen des BKFP sollte sorgfältig durchgeführt werden.
Im Gegensatz zur bioidenten Hormontherapie unterscheidet sich bei den sogenannten synthetischen Hormonen die chemische Struktur von der chemischen Struktur der körpereigenen Hormone. Synthetische Hormone sind in ihren Strukturformeln den körpereigenen Hormonen ähnlich, aber nicht identisch. Sie haben daher auch unterschiedliche Wirkungen auf die verschiedenen Steroidrezeptoren und eine andere Bioverfügbarkeit, weshalb es auch zu unterschiedlichen Wirkungen und Nebenwirkungen kommen kann.